Im Supermarkt

Es ist voll. Sehr voll. So voll, als wäre dies das letzte Mal während unserer Generation, dass Supermärkte geöffnet haben. Wieso müssen Leute an Ostern so überproportional viel essen?

Durch die Massen schrillt die Stimme einer Frau, deren Klang so unangenehm ist, dass ich vermuten muss, ihr Mann habe sich schon vor Dekaden eigenhändig die Trommelfelle durchstochen, um die holde Zweisamkeit ein wenig länger ertragen zu können.

Wir stehen – zusammen mit vielen, vielen anderen – bei den Schokoladen-Osterhasen, -Entchen und -Eiern. Ihr Stimme dominiert die Szene:

„Heinz! Ich brauche uuunbedingt noch Cognac-Eier! Wo sind die denn? Ah… hier!… Nein, Moment, das sind sie nicht… Heinz? Jetzt guck doch auch mal! Was ist das denn hier?“ Laut liest sie vor: „Cooognac!“ Und noch einmal: „Koooogg-Nack!“

Ihr Mann hat inzwischen versucht, sich in der Herde älterer Männer Anfang Fünfzig zu tarnen – ganz Herdentier / Schwarmfisch reiht er sich ein in die Menge des genervt aussehenden männchlichen Einheitsbreis mit angestrengter Poker-Miene.

„Heinz! Hier! Da steht Koooogg-Nack! Ist das wie Konnjagg? Also… die sehen genau so aus wie die Konnjagg-Eier… Heinz? Sach wat!… mh… ach, ich nehm’ die jetzt einfach mal. Auch wenn da Koooogg-Nack steht…“

Meine Güte… es gibt Männer, die sollten eine Medaille für ihr Lebenswerk bekommen – einfach nur, weil sie so etwas seit Jahrzehnten ertragen. (Vermutlich gilt das gleiche für Frauen, wobei ich wenige Männer kenne, die in einem Supermarkt wegen ein bischen Schokolade so eine Show inszenieren würden…)

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