Wer die Wahl hat…

Heute erhalten wir (Chef und ich) eine Email, zig Male intern weitergeleitet, von einer Art Arbeitssuchenden-Agentur. Hier werden Menschen vermittelt, die aus dem einen (Krankheit, Unfall) oder anderen (Familie, Umorientierung, Alter) Grund auf der Suche nach dem Wiedereinstieg in die Arbeitswelt oder einer fortbildenden Arbeitsstelle sind. Wenn ich das richtig verstanden habe, kommt die Agentur für sechs Monate Personalkosten auf – die Arbeitskraft ist also „gratis“, wobei sicherlich die Hoffnung besteht, dass die Person anschliessend in den Betrieb übernommen wird.

Es geht um einen 42jährigen medizinisch-technischen Assistenten, der sich in fortgeschrittenem Alter gerne noch umorientieren möchte und ein besonderes Interesse an biologischen Berufen hat. Er hat stets gearbeitet, hat Geräte mitentwickelt, ist gut in Frickelsachen und hoch motiviert.

*Grosse Freude!*

Mein Chef hat aber schon geantwortet: „Ja, nööö – wir werden eine Ausschreibung für einen Studenten mit Bachelor machen – danke, wollen wir nicht.“

*what?!*

Is klar: ein Anfang Zwanzigjähriger mit ohne Berufserfahrung jeglicher Art, der ein Gehalt möchte und auch bekommen wird, aber eigentlich nur Hormone in der Birne hat, auf der Suche nach der wahren Liebe ist und damit unzuverlässig wie eine Pendeluhr ist, ist der Mitarbeiter der Wahl…

Über Ostern werde ich mir diesen Email-Verkehr nochmal genau durchlesen – dann werde ich meinen Chef fragen, wer ihm ins Gehirn geschwas ihn da für ein Teuf… was er sich dabei gedacht hat und werde – ebenfalls über Ostern – eine Rückrufaktion starten. Gerne kann mein Chef sich mit einem postpubertären Biologen in Ausbildung herumschlagen, wenn der MTA gut ist, behalte ich den für mich und mache in den sechs Monaten so richtig produktive Forschung.

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