Vor einigen Tagen erhielt ich ein Einschreiben, das mir meine Postfrau natürlich nicht direkt übergab. Sie hält sich nicht mit solchen Widrigkeiten des Arbeitsalltags auf und wirft lieber ein Zettelchen in den Briefkasten. Weil ich also sowieso zur Post musste, schickte ich auch gleich noch ein Päckchen ab.
Natürlich ist die Schweizer Post ein Verein, der der deutschen Post überraschend ähnlich ist… Also so mit gelben Autos, nach dem Abbau wenigen verbliebenen Poststellen und einer halben Papeterie in den Räumlichkeiten. Und natürlich ist die Post auch eine Bank. Anders als in Deutschland ist aber die Post in der Schweiz der einzige Verein, der Briefe im grösseren Stil verschickt.
Als es um die Zahlung des Päckchens ging, musste ich feststellen, dass sich die Schweizer Post allerdings einige Hirnfürze leisten kann, die man aus Deutschland eher nicht kennt…
Postfrau: „Das macht neun Franken, bitte…“
Ich: „Oh, okay – das habe ich leider nicht bar – ich zahle mit Karte.“
Postfrau: „Kein Problem!“
Ich ziehe meine Karte (nein, es ist keine EC-Karte… EC wäre zu einfach und praktisch überall nutzbar, deswegen gibt es in der Schweiz hauptsächlich Maestro, was die Kartenzahlung zB an vielen deutschen Tankstellen unmöglich macht) einer grossen Schweizer Kantonalbank und richte meine Aufmerksamkeit auf das Kartenlesegerät, als…
Postfrau: „Ouh, nein… mit der Karte können Sie hier nicht zahlen. Hier geht nur die PostCard.“
Ich: „Äh?!“
Postfrau: „Aber gehen Sie doch einfach schnell über die Strasse – da ist ja Ihre Bank und Sie können Bargeld abheben.“
Ich hänge immer noch bei der Tatsache fest, dass ich bei der Post nur mit der hauseigenen Bankkarte zahlen kann…
Ich: „Äh? Aber… das ist doch…“
… und krame mich nochmal durch mein Portemonnaie. Draussen regnet es wie doof und stürmt. Ich habe ganz, ganz wenig Lust, auch nur den kleinsten Spaziergang zu einem Bankautomaten zu machen.
Postfrau: „Ja, das tut mir leid. Sie können auch nicht unseren Bankautomaten nutzen – der akzeptiert nur die PostCard.“
Wie überraschend…
Ich wühle weiter und blättere mich durch die 80 Euro, die meine Geldbörse noch bevölkern.
Ich (leicht ironisch): „Hehe, ich hätte noch Euro… und zwar mehr als genug…“
Postfrau: „Ja! Euro, das geht! Euro nehmen wir!“
Ich: „Äh?“
Postfrau: „Wenn es Scheine sind? Kein Problem… Allerdings…“ und dann schaut sie etwas bedrückt: „… müsste ich Ihnen das Wechselgeld in Schweizer Franken rausgeben…“
Tja, das ist natürlich eine üble Sache! So mitten in der Schweiz, wo man mit einer Schweizer Maestro-Karte auf der Schweizer Post sein verdammtes Päckchen nicht bezahlen kann, weil dieser Schweizer Verein zu elitär ist, um Kunden zu bedienen, die ihre Konten bei einer Schweizer Bank haben.
Ich: „Das ist nicht so schlimm – ich denke, ich werde die Franken schon irgendwie wieder los.“
Postfrau: „Ah… das freut mich.“ Und die Freude sieht beängstigend ehrlich aus.
Ich gebe ihr die Euros, bekomme mein Schweizer Wechselgeld und verlasse die Elite-Post.