Ich könnte mich ja so sehr aufregen! Und das zu Recht! Es ist ja bekannt, dass Damen-Toiletten sogar schlimmer aussehen sollen, als Männer-Toiletten, die in der diskreten Öffentlichkeit ja eigentlich all jene Sauereien ausleben könnten, die ihnen daheim verwehrt werden. Aber nein – Frauen kompensieren auf der öffentlichen Toilette das, was sie zu Hause ihren Männern in haarspalterischer Penibilität vorleben: Reinlichkeit. Auf der öffentlichen Toilette bauen sie dann, wohl wissend was sie und damit der Rest der Weiblichkeit tun, wenn stoffwechsel-bedingte Tätigkeiten anstehen, sogenannte Klopapier-Nester auf der Klobrille, damit ihnen in Zukunft ja kein sensibles Körperteil weggammeln möge.
Unter meinen Kolleginnen gibt es (überall auf der Welt) ähnliche Exemplare. Ich habe noch nie verstanden, warum man Toilettenpapier falsch herum aufhängen muss, wenn man sich überhaupt dazu herablässt, neues aufzuhängen, nachdem man eine Rolle vollständig abgerollt hat (wahrscheinlich um ein Klobrillen-Nest zu bauen). Ich weiss nicht, warum man Tampon-Verpackungen auf den Boden werfen muss oder Popel an die Toilettenwand schmieren muss (denn immerhin hängt da ja eine Rolle Klopapier – kein Popel war je so gross, dass das Papier für seine Entsorgung nicht gereicht hätte). Klobürsten werden nicht angefasst – wer weiss, was andere davor damit gemacht haben! Und wer an die Umwelt denkt und kein Papier-Nest baut, der pinkelt im Stehen, wobei sich hier weibliche Anatomie und Toilettenkonstruktion grundsätzlich ausschliessen.
All das erschüttert seit je her mein Vertrauen den Kolleginnen gegenüber auf das Tiefste. Sitze ich mit ihnen zusammen, weiss ich, dass mindestens eine von ihnen eine Klo-Soziopathin ist.
Heute Abend liess es sich nicht vermeiden, dass ich vor dem Heimweg nochmal den Ort des Grauens aufsuchen musste. Ich betrete eine der zwei Toilettenzellen und traue meinen Augen kaum. Das mag paranoid klingen, aber ich erleide seichte Panikattacken, wenn auf einer Damen-Toilette der Klodeckel heruntergeklappt ist. Das Risiko, darunter ein Gemetzel zu entdecken, das aus reiner Faulheit nicht behoben wurde, ist gross. Heute Abend war der Klodeckel heruntergeklappt. Und wie zum Hohn steht auch noch eine leere Klopapierrolle auf dem Klodeckel. Förmlich kann ich die kranken Gedanken der Arbeitskolleginnen durch den gekachelten Raum schallen hören: „Hahaaaa! Viel Spass beim Erleichtern! Ich muss heute hier nicht mehr auf Klo! Hihiiiii!“ Die Not ist gross und so langsam werde ich sauer. Mit einem Fuchteln befördere ich die leere Klopapierrolle auf den Toilettenboden. So etwas lasse ich mir nicht gefallen – ich lasse mich nicht unterkriegen!
Vorsichtig hebe ich mit zwei Fingern den Klodeckel…
Naja, immerhin. Alles sauber. Toll. Dann kann ich ja… Seltsames Kunstwerk da mit der Klopapierrolle auf dem Klodeckel, denke ich… Da muss jemandem echt langweilig gewesen sein.
Ich will nach dem Klopapier greifen. Ha! KEINE neue Rolle aufgehängt. Weiber! Die Wut wallt neu auf, als ich nach hinten greife, um die Pflichten einer anderen zu erledigen: Meine Güte – es dauert drei Sekunden, so eine Klopapierrolle (richtig herum!) aufzuhängen.
Ich greife ins Leere…
…
…
Hm…
Ich habe verstanden: Die Botschaft der leeren Klopapierrolle auf dem heruntergeklappten Klodeckel war:
Kolleginnen, hier gibt es kein Klopapier mehr – benutzt bitte die andere Toilette.
Verdammt.